Kann KI mein IT-Problem lösen? Ein Selbsttest

Unsere Ergebnisse auf einen Blick

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein IT-Problem, das Sie verzweifeln lässt. Oder eines, dessen Lösung einfach viel Zeit verschlingt. Wäre es da nicht schön, einfach den Computer zu fragen und ihn das Problem klären zu lassen, und zwar in Windeseile – zum Beispiel während Sie sich einen Espresso gönnen. So oder ähnlich könnte der neue IT-Alltag aussehen. Wir haben’s an zwei ganz konkreten Beispielen ausprobiert, KI gefragt und erstaunliche Ergebnisse erhalten. Eine Momentaufnahme …

© Jon Anders Wiken via stock.adobe.com

1. Test:

Migration von Kalenderdaten:
Finde eine Lösung!

Ausgangslage: Ein Kunde von uns ist von einem anderen Mailanbieter zu uns migriert. Über unseren Service will er künftig auch seine Kalender führen.

Die Herausforderung: Aufgrund bestimmter Formatierungen im Kalender war es nicht möglich, die bestehenden Einträge direkt in das neue System zu migrieren. Wir brauchten also eine spezifische Lösung.

Auftrag an ChatGPT:
Ich benötige ein PHP-Skript, um folgende Aufgabe zu lösen: In einer Datei mit Google Calendar epxortierten Terminen (Dateiformat ICS) sind bei vielen Terminen HTML-formatierte Kommentare enthalten. Die HTML-Tags in den oft mehrzeiligen Kommentaren müssen gelöscht werden. Die Kommentare müssen jdeoch verlustfrei erhalten bleiben. Erstelle ein PHP-Skript, das diese Aufgabe erfüllt.

Das lieferte die KI als Ergebnis:
Dieses Skript (s. Bild unten) liest die ICS-Datei ein und sucht nach Kommentaren. Für jeden Kommentar werden die HTML-Tags entfernt und der bereinigte Kommentar wird in einem separaten Array gespeichert. Dann wird die ursprüngliche ICS-Datei durch eine neue ICS-Datei ersetzt, in der die bereinigten Kommentare enthalten sind.
Bitte stellen Sie sicher, dass Sie eine Sicherungskopie Ihrer Original-ICS-Datei erstellen, bevor Sie das Skript ausführen, um Datenverluste zu vermeiden.

Unsere Erkenntnis

Das Ergebnis ist erstaunlich, allerdings löste der Vorschlag das Problem leider nur zu etwa 80 Prozent. Das Problem war, dass die zu konvertierende Datei nicht nur einfache einzeilige Kommentare aufwies, sondern komplexe, mehrzeilige Kommentare. Das durch ChatGPT generierte Skript hat dabei leider (trotz insgesamt vier Nachbesserungen, die wir eingefordert haben) immer wieder versagt. Immerhin konnten wir das Skript mithilfe unseres Fachwissens etwas umbauen und verbessern, sodass wir das Problem am Ende weitgehend lösen konnten – allerdings eben nicht vollautomatisch und nicht ohne unser eigenes Zutun. Programmierer und Softwareentwickler müssen also (noch?) keine Sorgenfalten auf ihrer Stirn entwickeln.

2. Test

Der neue Newsletter: Schreib einen Text!

Ausgangslage: Den monatlichen Newsletter von LWsystems verschicken wir via CleverReach. Bei der Erstellung unterstützt uns eine erfahrene Texterin.

Die Herausforderung: Wie wäre es, wenn die KI von CleverReach (derzeit als Testversion verfügbar) die Texte für uns schreibt.

Frage an die KI: Diverse – je nachdem, ob es um die Betreffzeile, den Prehaeder der E-Mail oder den Haupttext ging.

Versuch 1: Noch nicht ganz zufriedenstellend, vor allem weil es inhaltlich ziemlich durcheinander geht und nicht den Kern der Botschaft trifft. Wir hätten gezielter fragen müssen.

Versuch 2: Schon viel besser! Wir haben die Frage angepasst und konkretisiert – und schon werden die Ergebnisse treffsicherer. Uns gefällt Option 3: „Ergebnisse unseres KI-Tests: Schau sie dir an!“

Hochmotiviert ging es im nächsten Schritt an den Prehaeder des Newsletters.

Versuch 1: Da schießt die KI inhaltlich deutlich übers Ziel hinaus. Wir vermuten: Wahrscheinlich haben wir die Anweisung zu offen formuliert.

Versuch 2: Schon besser! Allerdings: Warum die KI mal als Ansprache „du“ wählt und mal „Sie“ erschließt sich uns noch nicht. Und irgendwie klingt es sprachlich auch noch etwas holprig.

Und nun die Königsdisziplin: Der Hauptartikel.

Versuch 1: Wir haben die Anweisung konkretisiert, auf 4000 Zeichen begrenzt und darum gebeten, ein Call-To-Action einzufügen. – Erstaunlich, was die KI für Ergebnisse liefert. Nur leider hat es so gar nichts mit der Realität zu tun. Und Entwickler und Anbieter von KI-Lösungen ist LWsystems auch nicht. – Wir verzichten auf einen weiteren Versuch zu diesem Thema, da die KI unsere Ergebnisse nicht kennt und uns das Briefing zu aufwändig ist.

Also versuchen wir’s mit einem Thema, das in den letzten Monaten sehr viele Leser unseres Newsletters interessiert hat: Passwortsicherheit. Versuch 1: Wir konkretisieren unsere Anfrage und fordern 5 Tipps ein und außerdem einen Call-To-Action. Die Tipps werden geliefert, der Call-To-Action nicht. Der Text hört auch einfach mittendrin auf. Die 5 Tipps gehen in die richtige Richtung, aber der Hinweis auf z.B. „8 Zeichen“ ist längst überholt. Wirklich sichere Passworte sollten deutlich mehr haben, wir empfehlen sogar mind. 24 Zeichen, und noch einiges mehr als die KI.

Unsere Erkenntnis

Die KI liefert gute Anreize, mehr jedoch noch nicht. Inhaltlich ist es oft nicht stimmig, sind Tipps veraltet oder wirkt die Sprache hölzern. Befehle werden in Teilen gar nicht berücksichtigt (mag auch daran liegen, dass wir die KI noch besser briefen müssen) und Zusammenhänge können nicht oder nur in Maßen hergestellt werden.

Fazit

KI im Profi-Test: Gesamt-Fazit

Es ist erstaunlich, was KI heute schon alles kann und es bleibt spannend, was noch auf uns zukommt. Die Möglichkeiten der Nutzung von KI scheinen grenzenlos, eine Wunderwaffe, die im Handumdrehen alle Probleme löst, ist sie nicht. Die Ergebnisse liefern derzeit vielmehr eine sehr gute Basis, um damit weiterzuarbeiten.

Üben, üben, lernen

Bei aller Begeisterung – ohne mitzudenken, geht es eben (noch) nicht. Die KI wurde von Menschen geschaffen und ist auch nur so gut wie der Mensch, der ihr dann Befehle erteilt. Die Art der Fragestellung bzw. Anweisung an die KI entscheidet also wesentlich über die Qualität des Ergebnisses. Es lohnt sich, auszutesten und zu lernen.

Schließlich sind noch viele Fragen zu Urheber-, Nutzungs- und Datenschutzrechten ungeklärt. Wo Chancen, da auch Risiken. So ist bekanntgeworden, dass ChatGPT bereits für das Schreiben von Schadsoftware eingesetzt wurde. Und: KI merkt sich ALLES, was Sie eingegeben haben. Also Vorsicht mit persönlichen, sensiblen oder gar vertraulichen Daten und Informationen!

Ohne den menschlichen Verstand geht’s nicht

Künstliche Intelligenz trägt neu zusammen, was zur Verfügung steht, und dies sind vor allem Fakten. KI ersetzt weder hochindividuelle Lösungen, noch wägt sie Risiken ab, bewertet Themen im Kontext von Erlebten oder liefert völlig neue Ideen im Sinne der Kreativität. Für all das braucht es den menschlichen Verstand. Angebote wie ChatGPT können hervorragende Unterstützung bieten, um den Arbeitsalltag zu erleichtern, ein Allheilmittel sind sie (noch) nicht. Ach so, und was unsere Texterin betrifft, die uns zuverlässig bei unseren Projekten und auch den Newsletter begleitet: Sie darf gerne bleiben. Erstmal … 🙂

Endlich unabhängig werden

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