Tech-Souveränität: Wie abhängig darf Ihre IT sein?

Was lange wie eine technische Entscheidung wirkte, rutscht zunehmend in die strategische Ebene. Denn Abhängigkeit ist kein IT-Thema mehr, sondern kann zum Geschäftsrisiko werden. So gewinnt Ihr Unternehmen wieder mehr Kontrolle über die IT.

© AcuArtStudio via stock.adobe.com

Diese Frage stellen sich gerade IT-Abteilungen und Geschäftsführungen: Wie abhängig wollen wir von einzelnen Tech-Anbietern eigentlich sein? Schließlich ändern sich Rahmenbedingungen schneller als früher und politische Entwicklungen wirken sich plötzlich direkt auf IT-Strukturen aus:

  • Geopolitik ist keine Konzern-Frage: US Cloud Act, Trump-Administration, Handelskonflikte und Co. betreffen jedes Unternehmen mit US-Software.
  • Zwangs-Upgrades zeigen ihre Macht: Windows 11 (oder ein Wechsel auf andere Betriebssysteme) ist ein Muss, ob man will oder nicht (inklusive allen damit verbundenen Kosten). Auch wer nicht wechseln will, hat keine Wahl. Das wird auch zukünftig so bleiben. Daher ist es wichtig, die eigene Strategie zu hinterfragen.
  • Keine Handhabe bei Änderungen der Nutzungsbedingungen, Zugriff durch US-Behörden (Cloud-Act), wenn die Daten auf US-Servern liegen (auch bei „EU-Clouds“), willkürlichen Preiserhöhungen, Einstellungen von Features (z.B. Skype).
  • KMUs haben weniger Puffer: Großkonzerne können den Preisanstieg durch KI bei Hardware leichter schlucken. Doch für die Kleinen kann das existenziell werden: Wie viel Geld können und wollen sie für noch mehr Abhängigkeit bezahlen?
Wolke mit Endgeräten und Menschen

Das Problem dabei ist: Viele Unternehmen haben ihre IT in puncto Cloud und Plattformen in den letzten Jahren konsequent so aufgebaut, dass sie auf genau auf diese Anbieter angewiesen sind.

Wo kann man sich aus Abhängigkeiten lösen?

Die Abhängigkeiten von den Big Playern waren bequem, effizient und – rein wirtschaftlich betrachtet – oft auch naheliegend. Gleichzeitig hat sich damit ein Zustand etabliert, der jetzt zurecht kritisch hinterfragt wird. „Wir beobachten aktuell ein starkes Umdenken“, sagt Ansgar Licher, Geschäftsführer von LWsystems. „Nicht nur große Konzerne, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen prüfen, wo sie sich aus bestimmten Ökosystemen lösen können und wie sie Handlungsspielraum zurückgewinnen.“

Viele denken bei diesem Thema zuerst an Software, doch mindestens genauso relevant ist die Frage, wo die Daten liegen: Häufig existieren nur noch wenige eigene relevante Systeme vor Ort. Die Daten lagern verteilt in verschiedenen Cloud-Diensten, ohne dass jemand einen vollständigen Überblick hat. Das funktioniert im Alltag gut, bis man merkt, dass man nur begrenzt Einfluss auf Zugriff, Struktur oder Weiterverarbeitung hat. Damit entsteht eine doppelte Bindung: an den Anbieter und an dessen Infrastruktur.

Warum sind digitale Identitäten so wichtig?

Ein weiterer wichtiger Hebel sind die Identitäten. In vielen Setups laufen die Zugänge heute über große Plattformen. Ein Login via Microsoft- oder Google-Konto beispielweise öffnet dann die Tür zu mehreren Cloud-Diensten und Anwendungen gleichzeitig. Das ist bequem, hat aber eine Kehrseite: Fällt dieser Zugang aus oder wird gesperrt, ist der Zugriff auf viele Systeme plötzlich blockiert . Gleichzeitig erfährt der Identitäts-Provider – also Microsoft oder Google – bei jeder Anmeldung, welcher Nutzer wann auf welchen Dienst zugreift: ein lückenloses Protokoll der Arbeitsabläufe und Nutzungsgewohnheiten des gesamten Unternehmens. Eine Lösung ist, Identitäten selbst zu verwalten – und damit die Kontrolle zurückzuholen:

  • ein eigenes Nutzerverwaltungssystem zu betreiben, das bestehende Windows-Umgebungen wie Active Directory ergänzt oder vollständig ablöst.
  • alle Zugänge zentral im eigenen Unternehmen zu steuern – in der eigenen Infrastruktur, nach eigenen Regeln.
  • dieselben Identitäten auch für Web-Dienste und externe Anwendungen zu nutzen – ohne den Umweg über fremde Plattformen.

Das Ergebnis: weniger Abhängigkeit, mehr Kontrolle. Wer seine Identitäten selbst verwaltet, behält das Steuer in der Hand.

Bewusst entscheiden, anstatt radikal ersetzen

Wichtig ist dabei ein realistischer Blick. Nicht alles lässt sich einfach austauschen, es ist auch nicht das Ziel. Manche Systeme sind tief in Prozesse eingebettet wie spezialisierte Branchensoftware, Warenwirtschaft oder ERP-Systeme. Hier ist eine Abhängigkeit oft bewusst akzeptiert und vertretbar. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Wie werde ich alles los?“, sondern: „Wo bin ich bereit, Abhängigkeiten zu akzeptieren und wo kann ich gezielt Alternativen aufbauen oder zumindest vorbereiten?“

Mögliche Schritte können dann sein:

Dadurch gewinnen Unternehmen wieder mehr Handlungsspielraum – und genau darum geht es bei technologischer Souveränität.

Endlich unabhängig werden

WEITERE NACHRICHTEN

  • 08 04/2026
    Tech-Souveränität: Wie abhängig darf Ihre IT sein?

    Warum Unternehmen ihre IT-Strategie neu bewerten und ausrichten – und welche Rolle Kontrolle, Anbieterwahl und Infrastruktur dabei spielen....

    Weiterlesen
  • 04 03/2026
    GrapheneOS: Das Betriebssystem ohne Google-Abhängigkeit

    Ihr Handy weiß alles und teilt sensible Daten. GrapheneOS macht Schluss damit: das gehärtete Betriebssystem, das Ihr Unternehmen schützt....

    Weiterlesen
  • 04 02/2026
    Deepfake-Anrufe: So schützen sich Unternehmen und Privatpersonen

    Deepfake-Anrufe nehmen zu! Die Experten von LWsystems haben 10 praktische Tipps zusammengestellt, damit Sie kein Opfer werden. Jetzt informieren!...

    Weiterlesen
  • 14 01/2026
    Neue EU-Vorgaben für IT-Teams – das sollten Sie tun

    Cyber Resilience Act, NIS2 & Co.: Diese EU-Regeln gelten ab 2026 und so bereiten sich IT-Teams jetzt sinnvoll darauf vor. Mit Checkliste!...

    Weiterlesen
  • 03 12/2025
    Warum Hacker Weihnachten lieben – und wie Sie Ihre Systeme schützen

    Wie Open Source hilft, Schwachstellen in der Software-Lieferkette zu erkennen, Sicherheit nachvollziehbar macht – und worauf Sie achten sollten....

    Weiterlesen
  • 05 11/2025
    So hat mir KI geholfen: Mitarbeiter verraten ihre Lifehacks

    Schützen Sie Ihr Unternehmen vor Datenverlust, fehlgeschlagenen Backups und Betriebsausfall: Mit diesen Learnings aus großen IT-Fehlern....

    Weiterlesen
  • 01 10/2025
    Digitaler Quick-Check für Unternehmen

    Wie souverän ist Ihre IT? Der Selbst-Check von LWsystems hilft Unternehmen, Risiken zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen....

    Weiterlesen
  • 03 09/2025
    Ganz einfach: In 3 Schritten von Exchange Server zu Zimbra wechseln

    Der Microsoft Exchange Server Support endet: Stellen Sie Ihr Unternehmen sicher und schnell auf die Open Core Groupware-Lösung Zimbra um – ohne Dat...

    Weiterlesen
  • 06 08/2025
    Open Source in der Software Supply Chain: Risiko oder Rückgrat?

    Wie Open Source hilft, Schwachstellen in der Software-Lieferkette zu erkennen, Sicherheit nachvollziehbar macht – und worauf Sie achten sollten....

    Weiterlesen
  • 02 07/2025
    Diese Alternativen ersetzen Google, Microsoft und Co.

    Open-Source statt US-Dienste: Wie Unternehmen Big Player ersetzen und digitale Souveränität zurückgewinnen können....

    Weiterlesen

NEWSLETTER

Melden Sie sich für unseren informativen Newsletter an.
Jeden 1. Donnerstag im Monat informieren wir Sie über spannende Themen aus der IT-Welt.