Wie sicher ist Ihre IT-Strategie?
Von heute auf morgen kann der Zugang zu geschäftskritischer Technologie entzogen werden, ohne dass das betroffene Unternehmen etwas falsch gemacht hätte. So ist es vor Kurzem in den USA geschehen und hat sich bis auf Europa ausgewirkt. Was wir alle aus dem Anthropic-Fall lernen können…

Im Juni dieses Jahres gab es einen Vorfall, der erneut deutlich gemacht hat, wie gefährlich Anbieter-Abhängigkeiten sind: Die US-Regierung hatte verfügt, dass der KI-Anbieter Anthropic seine neuesten Modelle Mythos 5 und Fable 5 für Menschen ohne US-Staatsangehörigkeit nicht länger bereitstellen darf. Mit Verweis auf die Exportkontrollauflagen sperrte Anthropic daraufhin den Zugang vollständig.
Welche Auswirkungen haben US-Entscheidungen auf die europäische IT-Souveränität?
Peter Ganten, Geschäftsführer von Univention und Vorsitzender der Open Source Business Alliance, hat den Vorfall in einem viel diskutierten Blogbeitrag eingeordnet. Sein Punkt: Es geht um mehr als reine Abhängigkeit. Denn einige der führenden KI-Anbieter setzen sich gemeinsam mit der US-Regierung für strenge KI-Regulierung ein. Sie erschwert vor allem kleineren Wettbewerbern und Open Source-Entwicklern den Marktzugang. Selbst Stimmen aus dem Silicon Valley-Umfeld sehen das kritisch: Investor David Sacks sprach im All-In-Podcast von einer auf Angst aufgebauten Strategie regulatorischer Vereinnahmung.
Ob man diese Einschätzung teilt oder nicht: Die Kernfrage, die Ganten aufwirft, bleibt berechtigt. Wo genau sollten Schutzmechanismen für KI ansetzen? Ganz oben, beim Zugang zum Modell? Dann entscheiden wenige lizenzierte Anbieter, wer überhaupt mit welchen Fähigkeiten arbeiten darf. Oder weiter unten, bei der Haftung für tatsächlichen Missbrauch? Dann bleibt Innovation breiter zugänglich und überprüfbar.
Open Source wächst – nur nicht dort, wo man es erwartet
Ein Blick auf aktuelle Zahlen zeigt: Open Source ist auch im KI-Zeitalter weiter auf dem Vormarsch. Die Cloud Native Computing Foundation hostet mittlerweile über 230 Projekte mit mehr als 300.000 Mitwirkenden weltweit. Der Octoverse-Report von GitHub zählt über eine Milliarde Beiträge und mehr als 180 Millionen Entwickler. Auch die Apache Software Foundation meldet für 2025 knapp 10.000 aktive Kontributoren.
Der Publizist Matt Asay ordnet das in einem Kommentar für die Computerwoche so ein: Open Source verlagert sich, weg vom öffentlichkeitswirksamen Modell-Wettrennen, hin zur Infrastruktur, die darunterliegt. Einige Beispiele dafür sind Kubernetes, Observability und Platform Engineering. In diese investieren auch große Tech-Konzerne wie Red Hat, Microsoft, Google und Nvidia kräftig. Denn sie wissen: Wer das Fundament gestaltet, gewinnt tendenziell Einfluss auf alles, was darauf aufbaut.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Die beiden Beobachtungen zeigen, dass die Infrastruktur, auf der moderne IT-Systeme laufen, zunehmend offen wird. Doch die KI-Modelle an der Spitze bleiben bislang überwiegend geschlossen. Genau an dieser Lücke setzt Peter Gantens Argument an: Wenn Souveränität nur bis zur Infrastruktur reicht, aber nicht bis zum Modell selbst, bleibt die eigentliche Abhängigkeit bestehen.
Man muss kein KI-Unternehmen betreiben, um aus dieser Entwicklung eine Konsequenz zu ziehen: Wer seine IT-Infrastruktur auf offenen Standards aufbaut – von der Identitätsverwaltung über die Kommunikation bis zur Archivierung – reduziert genau jenes Risiko, das der Anthropic-Vorfall sichtbar gemacht hat. Nur so behält man den Kill Switch in seiner Hand.
Ein Lösungsansatz
Bei LWsystems setzen wir deshalb seit über 20 Jahren auf Open Source-Lösungen, die sich lokal oder in europäischen Rechenzentren betreiben lassen. Dazu zählen Univention Nubus für das Identity Management und Zimbra sowie Nextcloud für Mail und Zusammenarbeit. Auch Benno MailArchiv, unsere Lösung für die revisionssichere E-Mail-Archivierung, folgt diesem Prinzip: Die Daten bleiben an dem Ort, wo der Kunde sie ablegt und nicht dort, wo ein einzelner Anbieter gerade entscheidet, sie zu belassen. Das zahlt sich insbesondere aus, wenn andere abgeschaltet werden, aber die eigene Infrastruktur dank digitaler Souveränität weiterläuft.

