Erfolge und Herausforderungen
Seit weit mehr als 20 Jahren setzt die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) auch auf Open Source-Lösungen für eine zuverlässige und datenschutzkonforme IT-Infrastruktur. Wie es dazu kam und welche Vorteile das hat, weiß Elmar Wiedemeyer, Dezernent für Informationstechnik der katho.

Herr Wiedemeyer, seit wie vielen Jahren setzt die katho auf Open Source?
Im Prinzip kann man sagen: seit die IT entstanden ist. Bis zum Jahr 1998 lief in der katho das meiste analog. Dann entschieden wir uns zu einem großen Ausbau der IT, allerdings gab es damals kaum kommerzielle Angebote für Server-und Infrastrukturen. Daher wurde auf Open Source gesetzt. Vier Jahre später kam mit einer vollständigen Lernumgebung für die Studierenden der nächste große Schritt. Seit 2004 bestand der erste Kontakt zu LWsystems, aus dem 2008 dann offiziell eine Kundenbeziehung wurde. Sie besteht bis heute.
„Wir pflegen bewusst Redundanz.”
Können Sie uns ein Beispiel geben, wie Sie offene und geschlossene Anwendungen gemeinsam einsetzen?
Nehmen wir das Thema Videokonferenzen: Während der Pandemie hatten wir zunächst eine Open Source-Lösung über das deutsche Forschungsnetz, doch die Kapazität hat nicht ausgereicht, weil der Bedarf zu schnell kam. Daher sind wir kurzfristig auf Cisco Webex umgestiegen, allerdings gab es damit datenschutzrechtliche Probleme. Also haben wir die Open Source-Lösung BigBlueButton als Plugin in unser Lernportal eingeführt. Bis heute nutzen wir BigBlueButton sowie alternativ Microsoft Teams, wobei Teams ausschließlich für die Videokonferenz-Funktion eingesetzt wird. Alle anderen Funktionen wie Gruppenbildung, Dateiaustausch oder Chat sind bei uns gesperrt.
Was haben Sie aus über 20 Jahren Einsatz von Open Source gelernt: Welchen Punkt muss man zwingend mitdenken?
Die Software selbst ist in der Regel günstiger oder sogar kostenlos, dafür muss man Ressourcen für den Support und die Updates einplanen – bei uns deckt das LWsystems mit ab. Wir sehen aber vor allem den Vorteil der Offenheit: Sicherheitsrelevante Themen werden durch die Open Source Community transparent und meist schneller behoben, als es bei proprietären Herstellern häufig der Fall ist.
„Für Open Source braucht man nicht zwingend spezifische Kompetenzen im eigenen Haus.”
Was raten Sie Organisationen, die über den Umstieg auf Open Source nachdenken?
Im Hochschulsektor ist das inzwischen fast eine verbindliche Aufgabe, weil manche Einrichtungen sich stark von einzelnen Cloud-Anbietern abhängig gemacht haben. Generell würde ich sagen: Das nötige Fachpersonal oder die Kompetenz nicht im eigenen Haus zu haben oder sie nicht aufbauen zu können, ist kein Hindernis. Dafür gibt es gute Dienstleister, die diese Beratung und den Support zuverlässig übernehmen.
Elmar Wiedemeyer ist Dezernent für Informationstechnik, Kommunikations- und Mediendienste an der Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen gGmbH. Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) ist die bundesweit größte staatlich anerkannte Hochschule in kirchlicher Trägerschaft. An den vier Standorten Aachen, Köln, Münster und Paderborn werden rund 8.000 Studierende, Lehrende und Verwaltungsmitarbeitende in den Bereichen Sozialwesen, Gesundheitswesen und kirchlicher Dienst ausgebildet und betreut.

